LernPuls
Lernschwierigkeiten verstehen

LRS oder Konzentrationsschwäche? Woran Eltern den Unterschied erkennen

4. September 2026 · 4 Minuten Lesezeit

Von Emirhan Solmaz · 4. September 2026

Zwei Sätze hören wir im Erstgespräch fast jede Woche. „Er übt, aber es kommt nichts an." Und: „Sie schreibt dasselbe Wort dreimal anders."

Dahinter stecken zwei sehr verschiedene Dinge, die von außen erstaunlich ähnlich aussehen: eine Lese-Rechtschreib-Schwäche und eine Konzentrationsschwäche. In beiden Fällen sitzt Ihr Kind am Schreibtisch, in beiden Fällen dauert alles zu lange, in beiden Fällen stimmt das Ergebnis nicht mit dem Aufwand überein.

Die Hilfe ist aber jeweils eine andere. Wer eine Konzentrationsschwäche mit mehr Rechtschreibübungen beantwortet, macht es schlimmer. Wer eine LRS mit einem Timer und einem aufgeräumten Schreibtisch beantwortet, ebenfalls.

Dieser Artikel hilft Ihnen, beides auseinanderzuhalten. Er ersetzt keine Diagnose, und das soll er auch nicht. Er soll Ihnen zeigen, wohin Sie als Nächstes gehen.

Der Unterschied in einem Satz

Bei einer Lese-Rechtschreib-Schwäche ist das Problem an das Schriftliche gebunden. Bei einer Konzentrationsschwäche zeigt es sich überall.

Das ist der Prüfstein, an dem sich fast jeder Fall entscheidet. Und Sie können ihn zu Hause anwenden, ohne Test und ohne Termin.

Woran Sie eine LRS erkennen

Typisch ist, dass die Schwierigkeiten sich auf Lesen und Schreiben beschränken, während das Kind in allem anderen altersgemäß mitkommt oder sogar auffällig gut ist.

Der letzte Punkt ist der wichtigste. Eine LRS verschwindet nicht durch Wiederholung derselben Übung, weil nicht das Wissen fehlt, sondern der Zugriff darauf.

Woran Sie eine Konzentrationsschwäche erkennen

Hier ist das Muster umgekehrt: Die Schwierigkeit hängt nicht am Fach, sondern an der Dauer und an der Umgebung.

Der Test für zu Hause

Nehmen Sie eine Aufgabe, die Ihr Kind inhaltlich sicher kann, und lassen Sie sie zweimal bearbeiten. Einmal schriftlich, einmal mündlich im Gespräch mit Ihnen.

Mündlich gut, schriftlich schwach deutet auf eine LRS. Beides gleich schwach, und nach kurzer Zeit lässt die Aufmerksamkeit nach, deutet auf ein Konzentrationsthema.

Wiederholen Sie das an zwei oder drei verschiedenen Tagen, bevor Sie einen Schluss ziehen. Ein einzelner schlechter Nachmittag sagt nichts.

Was jeweils hilft

Bei einer LRS braucht es kein Mehr an Übung, sondern ein anderes Vorgehen. Was in unserem Unterricht regelmäßig etwas bewegt: strukturiertes Arbeiten an Rechtschreibregeln statt an Einzelwörtern, Texte laut mitlesen, längere Aufgaben in Abschnitte teilen, und im Fachunterricht die Textlast senken, damit das Wissen nicht an der Sprache scheitert. Wichtig ist, dass die Rechtschreibung nicht die Note in Sachfächern bestimmt.

Bei einer Konzentrationsschwäche hilft Struktur mehr als Inhalt. Kurze feste Einheiten statt langer Nachmittage, immer derselbe Platz, immer dieselbe Uhrzeit, das Handy in einem anderen Raum. Eine Aufgabe nach der anderen, sichtbar abgehakt. Und Pausen, bevor die Luft raus ist, nicht danach.

In beiden Fällen gilt: Einzelunterricht wirkt hier deutlich stärker als eine Gruppe, weil jemand daneben sitzt und im richtigen Moment eingreift.

Wann Sie eine Diagnose brauchen

Wir sind Nachhilfelehrkräfte, keine Therapeuten, und wir stellen keine Diagnosen. Es gibt aber zwei Situationen, in denen Sie sich eine holen sollten.

Bei Verdacht auf LRS wenden Sie sich zuerst an die Klassenlehrkraft, danach an die Schulpsychologische Beratungsstelle Ihres Kreises. In Nordrhein-Westfalen regelt ein eigener Erlass den Umgang mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten; er sieht Fördermaßnahmen und einen Nachteilsausgleich vor, etwa mehr Zeit oder eine andere Gewichtung der Rechtschreibung. Die genauen Voraussetzungen klären Schule und Beratungsstelle, deshalb führt der Weg immer über beide.

Bei Verdacht auf ein Aufmerksamkeitsthema ist die Kinderärztin oder der Kinderarzt die erste Anlaufstelle. Von dort kommt gegebenenfalls die Überweisung weiter. Bitte warten Sie damit nicht bis zum Abschlussjahr, Termine haben lange Vorlaufzeiten.

Eine Diagnose ist kein Etikett, sondern ein Schlüssel. Ohne sie gibt es keinen Nachteilsausgleich, und Ihr Kind schreibt Prüfungen unter Bedingungen, die für es nicht passen.

Wie wir arbeiten

Wir unterrichten online im Einzelunterricht, und wir sehen beide Fälle regelmäßig. Was wir tun können, ist der schulische Teil: den Stoff so aufbereiten, dass er ankommt, den Arbeitsweg strukturieren und die Lücken schließen, die durch Monate ohne Anschluss entstanden sind. Was wir nicht tun, ist Therapie ersetzen.

Wenn Sie unsicher sind, was bei Ihrem Kind vorliegt, schreiben Sie uns kurz. Im ersten Gespräch schauen wir uns gemeinsam an, wo es hakt, und sagen Ihnen ehrlich, ob Nachhilfe das richtige Mittel ist oder ob Sie zuerst woanders hinsollten. Das Gespräch ist kostenlos.

WhatsApp